george peter j. | 10. September 14
>Dienstag 1900 <
Da sitze ich nun vor meinem weißen Blatt und weiß nicht so recht wo und wie ich anfangen soll. >Zigarette drehen, 26sec, Rauch! Musik anmachen, Rituale pflegen um Kreativität zu wecken, drei Zeilen wahllos geschriebenes Zeug gelöscht<
Nun denn, heiße ich mich selbst willkommen in der „schönen?“ Welt des Blogs.
Und auch Sie/Euch alle da draußen, die an meinen ersten Schritten teilhaben wollen; müssen; können.
Warum das Ganze? Das frage ich mich auch. Jedoch treibt mich einiges um, nicht zuletzt die riesigen Gedankenwolken, welche sich hin und wieder zu Gewittertürmen, energiegeladen und facettenreich von schneeweiß bis tiefschwarz empor kämpfen und dringend mal abgeregnet werden sollten. Das ist keine Drohung, sondern eher ein mir selbst auferlegter Auftrag endlich der, von mir sehr wichtigen Menschen geäußerten Aufforderung nachzukommen, mehr zu schreiben.
Und das ohne viel zu denken, am besten gar nicht.
Natürlich steckt hinter jeder Zeile und jedem transportierten Gefühl ein lange gedachter Gedanke. Dies hier soll mir helfen, diese Gedanken nicht nur loszuwerden, sondern auch zu ordnen und vielleicht den/die ein oder andere/n Leser/in zu bewegen; zu inspirieren; anzustoßen....
Selbiges erhoffe ich mir von Euch, durchs Lesen, Kritisieren, kritisiert werden, Meinungen und Argumente über die es sich zu diskutieren lohnt.
Beginnen möchte ich mit einem Satz, den mir vor wenigen Tagen eine Person gesagt hat, die mich innerhalb von zwei Tagen so tief berührt hat, dass es einem die Sprache verschlagen könnte. Nun das Gegenteil war der Fall. Es gab mittlerweile drei Treffen mit insgesamt ca. 16 Stunden Gesprächszeit, in denen es nicht eine Sekunde des ungewollten Schweigens gab, keine Suche nach Themen von Nöten war, kein oberflächliches Geplänkel zu spüren war. Es sprudelte aus uns heraus, Themenwechsel im Minutentakt, Begeisterung, Ernsthaftigkeit, Kreativität, Spinnerei. Ich könnte diese Liste über die nächsten 100 Zeilen fortsetzen. Pure Freude war es die mich durchströmte, wenn ich sie wiedersah und pure Vorfreude ist es die ich empfinde, wenn ich an das nächste mal denke. Ja auch sie ist einer der Menschen, die mich bewegten hiermit zu beginnen und ich weiß, dass ich aus den geführten und noch zu führenden Gesprächen mit Ihr sehr viel lernen werde, über mich, über sie, über das Mensch sein.
„Der Himmel ist nur solange blau, bis das Meer sich grün darin widerspiegelt.“
Von wem dieser Satz stammt hat sie mir gesagt, nur habe ich es ob der viel schöneren Empfindungen an diesem Abend schon wieder vergessen. Vergessen werde ich nicht den Satz und auch nicht das Leuchten ihrer Augen, als sie ihn mir sagte.
>wirklich furchtbare Musik ausmachen(Radio), neue raus suchen, noch eine Zigarette, 5 min Denkpause<
Gutes Gefühl bisher.
Die Gedanken werden klarer. Gutes Wetter sozusagen. Das von mir beschriebene Wolkenkonstrukt ist durchaus bildlich zu verstehen, da es ziemlich genau der Problematik entspricht, welcher ich mich gegenüber stehen sehe, im Besonderen, wenn ich es mit emotionsgeladenen Situationen zu tun habe. Die Schwaden um meinen Kopf bestehen aus Schlagwörtern, welche es in Zusammenhang zu bringen gilt und möglichst Gehaltvoll und authentisch wiederzugeben. Aber bekanntlicher weise macht Übung ja den Meister und ich stelle immer wieder fest, dass das Schreiben ein sehr hilfreicher Akt ist bei diesem Unterfangen, welches sich oftmals anfühlt als würde man versuchen einzelne Fliegen mit der Hand aus einem Schwarm heraus zu fangen. Beim Schreiben passiert es jedoch gern, dass die ein oder andere Fliege sich unvermittelt auf eine leere Zeile setzt und ihre Verwandtschaft ruft und dann, irgendwann, fügt es sich zusammen, zuerst zu Sätzen, dann zu ganzen Zeilen, bis hin zu Geschichten, die entweder aus dem Leben gegriffen, oder aber einer bewussten Entscheidung entsprungen sind, sich jetzt sofort mit irgendeinem Thema näher auseinanderzusetzen.
Eines dieser Themen, mit dem ich vor kurzen konfrontiert wurde, ist der Tod. Nun, nicht mir oder meiner Familie hat dieses Schicksal ereilt, sondern einen mir ebenfalls sehr nahe stehenden Menschen und Ihre Familie. Nicht etwa die Frage „Was soll ich tun?“ wurde gestellt, sondern vielmehr zwischen den Zeilen der Wunsch geäußert für geistige Ablenkung zu sorgen. Und so schrieb ich ihr, ähnlich wie Euch, auch mit ähnlichem Inhalt. Ich habe sie, so wie jetzt Euch an meinen Gedanken teilhaben lassen, so wie wir es über mehrere Jahre etabliert haben und immer genießen können. „Bis einer lächelt!“ kann man als Fazit des Ganzen stehen lassen.
Meine eigene Einstellung zum Tod habe ich vor einiger Zeit selbst verfasst, in einer Kurzgeschichte, als ursprüngliche Auftragsarbeit für eine Bildinterpretation, ist daraus doch etwas ganz eigenes und persönliches entstanden. Auf den ersten Blick ganz weit weg vom Bild und doch ganz nah an meinem damaligen seelischen Zustand. Nein nicht der Tod selbst hat mich dazu gebracht diese Geschichte so zu schreiben wie sie ist, sondern eine Art von Liebe(beides ist für mich sehr eng verknüpft). Ein sehr großes Gefühl von Zuneigung, welches ich eigentlich, an gesellschaftlichen Maßstäben gemessen, nicht hätte empfinden dürfen.
Die Zuneigung zu einer anderen Frau, während ich selber in einer Beziehung steckte. Ich denke das ist ein nur allzu bekannter Zustand in vielen Leben vieler Menschen. Mit dieser vorläufigen Erklärung habe ich nun hoffentlich genug Interpretationsspielraum gegeben und will Euch diese Geschichte nicht vorenthalten.
Theo inspiriert durch „Giacomoon“, Quint Buchholz 1984
„Geh mein Junge, geh schon!“ rief Frau W. Ihrem Sohn nach.
Der Junge drehte sich um und sie konnte eine Träne sehen, die langsam an seiner Wange entlang lief.
Sie winkte ihm erst zum Abschied und bedeutete ihm dann, weiter zugehen. Er machte langsam und mit hängenden Schultern auf dem Absatz kehrt und schlurfte mit gesenktem Kopf davon.
Frau W. wischte auch sich eine Träne weg, nachdem sie aus der Ferne seinen, vor Schluchzen bebenden Rücken sah.
Es war der Montag.
Theo musste zur Schule, allein - , denn seine Mutter sollte heute nach Hamburg, in die Klinik, wo man ihr etwas entfernen wollte.
Einen T-tum-tumeo? Tumor! war das richtige Wort. Irgend so ein Ding, was in ihr heranwuchs, wie ein Baby, nur böse. Ja, wie das mit den Babys war wusste er schon, aber seine Mutter konnte ihm nie richtig erklären, was es mit diesem Tumor auf sich hat. Wo er her kam, was er tut, wofür er da ist. Warum muss man ihn raus schneiden? Er hatte sie mit Fragen gelöchert um möglichst viel zu erfahren, denn er hatte sich Sorgen gemacht. Nicht wegen dieses Tumors, sondern wegen seiner Mutter. Ihm war aufgefallen, dass es ihr von Tag zu Tag schlechter ging und er konnte sich keinen Reim darauf machen. Also hatte er sie gefragt. Sie sagte sie habe einen Tumor, aber sie sagte nicht, dass der Tumor sie krank gemacht hätte. Er hatte also recht. Sie ist krank! Aber sie hat viel zu spät verraten, dass der Tumor sie krank mache! Warum heute? Und warum muss sie dann gleich weg?
Theo fühlte sich im Stich gelassen. Enttäuscht und hintergangen, hilflos. Er hatte sich mit dem Tumor abgefunden. Er hatte sich an die Sorgen um seine Mutter gewöhnt, aber niemand hatte ihn darauf vorbereitet, dass seine Mutter ohne ihn!weg fuhr. Er war noch nie von seiner Mutter getrennt gewesen, also warum jetzt? >Was ist, wenn ich aus der Schule komme?< fragte er sich in Gedanken während er mit den Füßen durchs Laub stob und dabei zusah, wie die Blätter um seine Füße glitten, als führe ein großes Schiff durchs Wasser. Ans Meer wollen wir fahren. Nächstes Wochenende. Das wird schön. Theo hob den Kopf und beschleunigte seine Bewegungen, machte sie schwungvoll und zuversichtlich. Er hatte einen schönen Gedanken gefunden für diesen Tag. Er mochte schöne Gedanken.
Es war Dienstag.
Frühstück mit Tante Elsa. Theo mochte Tante Elsa nicht. Sie war so – streng. Aber sie hatte ihm am Abend, als sie ihn von der Schule abholte gesagt, dass sie nun ein paar Tage im Haus wohnen würde um auf ihn aufzupassen. Theo hatte in diesem Moment schon beschlossen, sich so oft es geht in seinem Zimmer unterm Dach aufzuhalten um ihre Stimme nicht hören zu müssen, oder ihr Schnarchen, wenn sie auf dem Sessel einschlief, oder ihren tadelnden Blicken ausgesetzt zu sein, wenn er bei den Hausaufgaben etwas nicht verstand. Er sehnte sich schon beim Essen seiner Frühstücksflocken nach der Schule. Dorthin konnte er Tante Elsa entkommen. Das war ein guter Plan für die Woche. Theo mochte gute Pläne. Und dann fahren Mama und ich ans Meer, dachte er sich und schmunzelte in seine Schüssel.
Theo kam schwungvoll in die Küche geschlendert. Sein Plan war eine tolle Idee. Er freute sich bereits auf sein Zimmer. Heute war der perfekte Tag, um auf der Schornsteinfegertreppe zu sitzen und den Sonnenuntergang zu beobachten. Vielleicht kommt mich ja wieder die Meise besuchen. So wie letzte Woche, als es mal nicht regnete. Da hat sie ihm beinahe aus der Hand gefressen. Seine Mutter staunte mit freudestrahlenden Augen darüber und streichelte ihm den blonden Schopf. „Da hast Du einen guten Freund gefunden. Sei ja schön brav zu ihm und er wird dir zur Seite stehen, wenn Du ihn brauchst.“
Danach weinte seine Mutter, wie schon oft zuvor. Sie freue sich so über den neu gewonnenen Freund und Theos Gutherzigkeit, hatte sie gesagt.
„Theo! Komm einmal her!“ sagte Tante Elsa, die am Küchentisch saß und mit düsterem Gesicht über ein Blatt Papier blickte.
„Ich fahre am Wochenende mit Dir zum Meer.“
Theo blickte sie überrascht an und fragte: „Treffen wir dort Mutter?“
Wenn er richtig aufgepasst hatte in der Schule, dann war Hamburg irgendwo in der Nähe vom Meer. Das wäre schön. Er begann seine Mutter langsam sehr zu vermissen und er brauchte einen neuen schönen Gedanken. Wir treffen Mama in Hamburg.
Das Strandhaus.
Theo saß auf der Treppe zur Eingangstür. Der Wind blies ihm kräftig um die Nase, seine Kapuze flatterte und ärgerte seine Ohren. Er starrte über die Düne hinweg, zur, von Dunstschwaden verhangenen, Sonne und konnte das Meer riechen.
Tante Elsa stand in der Küche und klapperte mit den Töpfen.
„Komm mein Junge, komm schon!“ rief Frau W. durchs Küchenfenster. „Das Essen ist fertig. - Du hast seit gestern keinen Bissen zu dir genommen.“
Gestern war Freitag.
Der Junge drehte sich um und sie konnte eine Träne sehen, die langsam an seiner Wange entlang lief.
Er blickte wieder in Richtung Sonne und hinter den Dunstschwaden glaubte er sie lächeln zu sehen. Ihm wurde warm um die Nase, der Wind blies ihm den Duft seiner Lieblingsspeise entgegen. Das war ein schöner Moment. Theo mochte schöne Momente.
Schlusswort:
Meine Güte, das waren aufregende Minuten und ich muss sagen, sie waren tatsächlich sehr befreiend. Ich danke jetzt schon von Herzen den beiden hier erwähnten, welche den Anstoß gaben. Ihr kennt euch nicht und irgendwie doch, weil ich mit beiden über die jeweils andere rede. Und die Dauer, die ich die eine und die andere kenne spielt tatsächlich keine Rolle, da der Geist und das Herz keine Zeiten kennt.
In diesem Sinne, danke fürs Zuhören. G.P.J.
Da sitze ich nun vor meinem weißen Blatt und weiß nicht so recht wo und wie ich anfangen soll. >Zigarette drehen, 26sec, Rauch! Musik anmachen, Rituale pflegen um Kreativität zu wecken, drei Zeilen wahllos geschriebenes Zeug gelöscht<
Nun denn, heiße ich mich selbst willkommen in der „schönen?“ Welt des Blogs.
Und auch Sie/Euch alle da draußen, die an meinen ersten Schritten teilhaben wollen; müssen; können.
Warum das Ganze? Das frage ich mich auch. Jedoch treibt mich einiges um, nicht zuletzt die riesigen Gedankenwolken, welche sich hin und wieder zu Gewittertürmen, energiegeladen und facettenreich von schneeweiß bis tiefschwarz empor kämpfen und dringend mal abgeregnet werden sollten. Das ist keine Drohung, sondern eher ein mir selbst auferlegter Auftrag endlich der, von mir sehr wichtigen Menschen geäußerten Aufforderung nachzukommen, mehr zu schreiben.
Und das ohne viel zu denken, am besten gar nicht.
Natürlich steckt hinter jeder Zeile und jedem transportierten Gefühl ein lange gedachter Gedanke. Dies hier soll mir helfen, diese Gedanken nicht nur loszuwerden, sondern auch zu ordnen und vielleicht den/die ein oder andere/n Leser/in zu bewegen; zu inspirieren; anzustoßen....
Selbiges erhoffe ich mir von Euch, durchs Lesen, Kritisieren, kritisiert werden, Meinungen und Argumente über die es sich zu diskutieren lohnt.
Beginnen möchte ich mit einem Satz, den mir vor wenigen Tagen eine Person gesagt hat, die mich innerhalb von zwei Tagen so tief berührt hat, dass es einem die Sprache verschlagen könnte. Nun das Gegenteil war der Fall. Es gab mittlerweile drei Treffen mit insgesamt ca. 16 Stunden Gesprächszeit, in denen es nicht eine Sekunde des ungewollten Schweigens gab, keine Suche nach Themen von Nöten war, kein oberflächliches Geplänkel zu spüren war. Es sprudelte aus uns heraus, Themenwechsel im Minutentakt, Begeisterung, Ernsthaftigkeit, Kreativität, Spinnerei. Ich könnte diese Liste über die nächsten 100 Zeilen fortsetzen. Pure Freude war es die mich durchströmte, wenn ich sie wiedersah und pure Vorfreude ist es die ich empfinde, wenn ich an das nächste mal denke. Ja auch sie ist einer der Menschen, die mich bewegten hiermit zu beginnen und ich weiß, dass ich aus den geführten und noch zu führenden Gesprächen mit Ihr sehr viel lernen werde, über mich, über sie, über das Mensch sein.
„Der Himmel ist nur solange blau, bis das Meer sich grün darin widerspiegelt.“
Von wem dieser Satz stammt hat sie mir gesagt, nur habe ich es ob der viel schöneren Empfindungen an diesem Abend schon wieder vergessen. Vergessen werde ich nicht den Satz und auch nicht das Leuchten ihrer Augen, als sie ihn mir sagte.
>wirklich furchtbare Musik ausmachen(Radio), neue raus suchen, noch eine Zigarette, 5 min Denkpause<
Gutes Gefühl bisher.
Die Gedanken werden klarer. Gutes Wetter sozusagen. Das von mir beschriebene Wolkenkonstrukt ist durchaus bildlich zu verstehen, da es ziemlich genau der Problematik entspricht, welcher ich mich gegenüber stehen sehe, im Besonderen, wenn ich es mit emotionsgeladenen Situationen zu tun habe. Die Schwaden um meinen Kopf bestehen aus Schlagwörtern, welche es in Zusammenhang zu bringen gilt und möglichst Gehaltvoll und authentisch wiederzugeben. Aber bekanntlicher weise macht Übung ja den Meister und ich stelle immer wieder fest, dass das Schreiben ein sehr hilfreicher Akt ist bei diesem Unterfangen, welches sich oftmals anfühlt als würde man versuchen einzelne Fliegen mit der Hand aus einem Schwarm heraus zu fangen. Beim Schreiben passiert es jedoch gern, dass die ein oder andere Fliege sich unvermittelt auf eine leere Zeile setzt und ihre Verwandtschaft ruft und dann, irgendwann, fügt es sich zusammen, zuerst zu Sätzen, dann zu ganzen Zeilen, bis hin zu Geschichten, die entweder aus dem Leben gegriffen, oder aber einer bewussten Entscheidung entsprungen sind, sich jetzt sofort mit irgendeinem Thema näher auseinanderzusetzen.
Eines dieser Themen, mit dem ich vor kurzen konfrontiert wurde, ist der Tod. Nun, nicht mir oder meiner Familie hat dieses Schicksal ereilt, sondern einen mir ebenfalls sehr nahe stehenden Menschen und Ihre Familie. Nicht etwa die Frage „Was soll ich tun?“ wurde gestellt, sondern vielmehr zwischen den Zeilen der Wunsch geäußert für geistige Ablenkung zu sorgen. Und so schrieb ich ihr, ähnlich wie Euch, auch mit ähnlichem Inhalt. Ich habe sie, so wie jetzt Euch an meinen Gedanken teilhaben lassen, so wie wir es über mehrere Jahre etabliert haben und immer genießen können. „Bis einer lächelt!“ kann man als Fazit des Ganzen stehen lassen.
Meine eigene Einstellung zum Tod habe ich vor einiger Zeit selbst verfasst, in einer Kurzgeschichte, als ursprüngliche Auftragsarbeit für eine Bildinterpretation, ist daraus doch etwas ganz eigenes und persönliches entstanden. Auf den ersten Blick ganz weit weg vom Bild und doch ganz nah an meinem damaligen seelischen Zustand. Nein nicht der Tod selbst hat mich dazu gebracht diese Geschichte so zu schreiben wie sie ist, sondern eine Art von Liebe(beides ist für mich sehr eng verknüpft). Ein sehr großes Gefühl von Zuneigung, welches ich eigentlich, an gesellschaftlichen Maßstäben gemessen, nicht hätte empfinden dürfen.
Die Zuneigung zu einer anderen Frau, während ich selber in einer Beziehung steckte. Ich denke das ist ein nur allzu bekannter Zustand in vielen Leben vieler Menschen. Mit dieser vorläufigen Erklärung habe ich nun hoffentlich genug Interpretationsspielraum gegeben und will Euch diese Geschichte nicht vorenthalten.
Theo inspiriert durch „Giacomoon“, Quint Buchholz 1984
„Geh mein Junge, geh schon!“ rief Frau W. Ihrem Sohn nach.
Der Junge drehte sich um und sie konnte eine Träne sehen, die langsam an seiner Wange entlang lief.
Sie winkte ihm erst zum Abschied und bedeutete ihm dann, weiter zugehen. Er machte langsam und mit hängenden Schultern auf dem Absatz kehrt und schlurfte mit gesenktem Kopf davon.
Frau W. wischte auch sich eine Träne weg, nachdem sie aus der Ferne seinen, vor Schluchzen bebenden Rücken sah.
Es war der Montag.
Theo musste zur Schule, allein - , denn seine Mutter sollte heute nach Hamburg, in die Klinik, wo man ihr etwas entfernen wollte.
Einen T-tum-tumeo? Tumor! war das richtige Wort. Irgend so ein Ding, was in ihr heranwuchs, wie ein Baby, nur böse. Ja, wie das mit den Babys war wusste er schon, aber seine Mutter konnte ihm nie richtig erklären, was es mit diesem Tumor auf sich hat. Wo er her kam, was er tut, wofür er da ist. Warum muss man ihn raus schneiden? Er hatte sie mit Fragen gelöchert um möglichst viel zu erfahren, denn er hatte sich Sorgen gemacht. Nicht wegen dieses Tumors, sondern wegen seiner Mutter. Ihm war aufgefallen, dass es ihr von Tag zu Tag schlechter ging und er konnte sich keinen Reim darauf machen. Also hatte er sie gefragt. Sie sagte sie habe einen Tumor, aber sie sagte nicht, dass der Tumor sie krank gemacht hätte. Er hatte also recht. Sie ist krank! Aber sie hat viel zu spät verraten, dass der Tumor sie krank mache! Warum heute? Und warum muss sie dann gleich weg?
Theo fühlte sich im Stich gelassen. Enttäuscht und hintergangen, hilflos. Er hatte sich mit dem Tumor abgefunden. Er hatte sich an die Sorgen um seine Mutter gewöhnt, aber niemand hatte ihn darauf vorbereitet, dass seine Mutter ohne ihn!weg fuhr. Er war noch nie von seiner Mutter getrennt gewesen, also warum jetzt? >Was ist, wenn ich aus der Schule komme?< fragte er sich in Gedanken während er mit den Füßen durchs Laub stob und dabei zusah, wie die Blätter um seine Füße glitten, als führe ein großes Schiff durchs Wasser. Ans Meer wollen wir fahren. Nächstes Wochenende. Das wird schön. Theo hob den Kopf und beschleunigte seine Bewegungen, machte sie schwungvoll und zuversichtlich. Er hatte einen schönen Gedanken gefunden für diesen Tag. Er mochte schöne Gedanken.
Es war Dienstag.
Frühstück mit Tante Elsa. Theo mochte Tante Elsa nicht. Sie war so – streng. Aber sie hatte ihm am Abend, als sie ihn von der Schule abholte gesagt, dass sie nun ein paar Tage im Haus wohnen würde um auf ihn aufzupassen. Theo hatte in diesem Moment schon beschlossen, sich so oft es geht in seinem Zimmer unterm Dach aufzuhalten um ihre Stimme nicht hören zu müssen, oder ihr Schnarchen, wenn sie auf dem Sessel einschlief, oder ihren tadelnden Blicken ausgesetzt zu sein, wenn er bei den Hausaufgaben etwas nicht verstand. Er sehnte sich schon beim Essen seiner Frühstücksflocken nach der Schule. Dorthin konnte er Tante Elsa entkommen. Das war ein guter Plan für die Woche. Theo mochte gute Pläne. Und dann fahren Mama und ich ans Meer, dachte er sich und schmunzelte in seine Schüssel.
Theo kam schwungvoll in die Küche geschlendert. Sein Plan war eine tolle Idee. Er freute sich bereits auf sein Zimmer. Heute war der perfekte Tag, um auf der Schornsteinfegertreppe zu sitzen und den Sonnenuntergang zu beobachten. Vielleicht kommt mich ja wieder die Meise besuchen. So wie letzte Woche, als es mal nicht regnete. Da hat sie ihm beinahe aus der Hand gefressen. Seine Mutter staunte mit freudestrahlenden Augen darüber und streichelte ihm den blonden Schopf. „Da hast Du einen guten Freund gefunden. Sei ja schön brav zu ihm und er wird dir zur Seite stehen, wenn Du ihn brauchst.“
Danach weinte seine Mutter, wie schon oft zuvor. Sie freue sich so über den neu gewonnenen Freund und Theos Gutherzigkeit, hatte sie gesagt.
„Theo! Komm einmal her!“ sagte Tante Elsa, die am Küchentisch saß und mit düsterem Gesicht über ein Blatt Papier blickte.
„Ich fahre am Wochenende mit Dir zum Meer.“
Theo blickte sie überrascht an und fragte: „Treffen wir dort Mutter?“
Wenn er richtig aufgepasst hatte in der Schule, dann war Hamburg irgendwo in der Nähe vom Meer. Das wäre schön. Er begann seine Mutter langsam sehr zu vermissen und er brauchte einen neuen schönen Gedanken. Wir treffen Mama in Hamburg.
Das Strandhaus.
Theo saß auf der Treppe zur Eingangstür. Der Wind blies ihm kräftig um die Nase, seine Kapuze flatterte und ärgerte seine Ohren. Er starrte über die Düne hinweg, zur, von Dunstschwaden verhangenen, Sonne und konnte das Meer riechen.
Tante Elsa stand in der Küche und klapperte mit den Töpfen.
„Komm mein Junge, komm schon!“ rief Frau W. durchs Küchenfenster. „Das Essen ist fertig. - Du hast seit gestern keinen Bissen zu dir genommen.“
Gestern war Freitag.
Der Junge drehte sich um und sie konnte eine Träne sehen, die langsam an seiner Wange entlang lief.
Er blickte wieder in Richtung Sonne und hinter den Dunstschwaden glaubte er sie lächeln zu sehen. Ihm wurde warm um die Nase, der Wind blies ihm den Duft seiner Lieblingsspeise entgegen. Das war ein schöner Moment. Theo mochte schöne Momente.
Schlusswort:
Meine Güte, das waren aufregende Minuten und ich muss sagen, sie waren tatsächlich sehr befreiend. Ich danke jetzt schon von Herzen den beiden hier erwähnten, welche den Anstoß gaben. Ihr kennt euch nicht und irgendwie doch, weil ich mit beiden über die jeweils andere rede. Und die Dauer, die ich die eine und die andere kenne spielt tatsächlich keine Rolle, da der Geist und das Herz keine Zeiten kennt.
In diesem Sinne, danke fürs Zuhören. G.P.J.