Frontbriefe
...in Fetzen
george peter j. | 11. September 14
>Donnerstag 1300<

Die obige Zeile steht nun schon seit über 30 min einsam und verlassen da. Ich bin heute also kein fürsorglicher Schreiber. Selbst der erste Satz wurde 5 mal unterbrochen. Aber nun habe ich mich wohl eingerichtet. Nicht perfekt, aber immerhin. Kaffee, Frühstück, Morgentoilette, Zigarette, warme Kleidung, gerade sitzen...alles scheint erledigt. Und, wie sollte es anders sein? Ist es doch nicht. Ist es wohl nie. Keine Musik bisher. Braucht es auch noch nicht, denn sie findet statt, in meinem Kopf. Wie gestern erwähnt, wurde hinreichend musiziert. Um 0130 war dann Schluss und die Klänge hallen noch nach. Heute Abend geht es in größerer Runde weiter. Bleibt zu hoffen, dass es mindestens genauso wird wie gestern.

Vermeidungsstrategien.
Damit hat der Tag begonnen, in vielerlei Hinsicht.
Nummer eins: Aufstehen
Als notorischer Frühaufsteher ein heikles Unterfangen, einfach liegen zu bleiben und den Straßenlärm, das Rauschen der Bäume im Wind und die Martinshörner im halb Stundentakt vorbeifliegen zu lassen.
abgeschlossen
Nummer zwei: Auftrag erkennen
Bierflaschen, Gläser, etwas wurde verschüttet, keine Ahnung was, aber es klebt.
nicht abgeschlossen
Nummer drei: Tagesplanung
Herzlich willkommene Ablenkung durch morgendliche Korrespondenz via Text und Telefon
Telefonat hat die Tagesplanung, welche gestern über den Haufen geworfen wurde, wieder aktuell gemacht und sollte doch heute tatsächlich umgesetzt werden.
Belohnungszentrum springt an.
Danach verabredet zum Kaffee. Vorfreude wächst.
Nummer vier: Nummer zwei ist noch offen
aufgeschoben für ungewisse Zeit
Nummer fünf: Welt update
Feststellung, seit Tagen keine Nachrichten gehört, gelesen, gesehen
Überlegungen >Zigarette, Kaffee<
Gut so? Manchmal schon. Aber nicht auf Dauer. >notiert<
Was gibt es eigentlich Aktuelles zu wissen, außer dem, was man vor Tagen schon wusste, oder glaubte zu wissen? ISIS? USA? Russland? Ukraine? Flüchtlinge? Waffenlieferungen?
Neuer, kalter Krieg? Fake Meldungen über Carlo Pedersolis Tod? Held meiner Kindheit und bis heute? Vermeidungsstrategien sind doch recht hilfreich, so scheint mir.
Fühle ich mich deshalb als Ignorant? Ganz klar nein! Nur als Mensch mit menschlichem Naturell.
Meinungsbildung findet statt, jede Sekunde. Und dabei kann ich mich immer darauf verlassen, nicht die erst beste anzunehmen und zu vertreten. Es braucht Zeit. Standpunkte strafen sich durch ihren Namen schon lügen, da sie niemals feststehen, auch wenn gewollt. Wanken ist menschlich, soll es sein, Irren sowieso.
Irren ist sogar befreiend, kann Zweifel nehmen, wenn erkannt. Bewirkt Interesse anderer für einen selbst, die sich da mit meiner Meinung beschäftigen. Man lernt. Jeden Tag.
Tagesziel erreicht. Ich werde auch heute wieder etwas lernen.
In diesem Sinne, danke fürs Zuhören. G.P.J.

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