Frontbriefe
Ungesagtes
george peter j. | 14. September 14
>Sonntag 2030<
Das Telefon klingelt. Wie versprochen. Oft gemieden. Vermeidungsstrategien, wiedermal.
Das Gefühl nicht alles wissen, alles geben zu wollen. Ungerechtfertigt. Schlechtes Gewissen. Wiedermal.
Weit weg und ein bisschen froh darüber, nicht immer da zu sein. Mehr schlechtes Gewissen, weil bisweilen unehrlich. In der Vergangenheit. Ich gelobe mir selbst Besserung.
Warum dieses Denken?
Das Wissen und Nichtwissen um die Gefühlslage dieses Menschen macht mich beklommen, hat oft Zweifel an mir gesät. Zum einen, weil ich mir in der Vergangenheit und auch heute noch den Hochmut herausnehme zu glauben, dass ich mit Schuld an dem trage, was diesen Menschen bewegt .
Vielleicht liege ich richtig, vielleicht auch nicht. In diesem besonderen Fall fällt es mir immer noch schwer Sie einfach so zu nehmen wie sie ist, ohne zu unterstellen, dass ich dabei eine zu große Rolle spiele.
Unerwiderte Liebe war im Spiel. Ihrerseits. Unerwidert, nicht nur weil die damalige Situation es nicht zugelassen hätte, sondern schlicht weg, weil es in mir, für sie nichts dergleichen gab.
Der Mut der Offenbarung den sie aufbrachte hat den höchsten nur erdenklichen Respekt verdient. Mein Verhalten, Jahre danach gilt es anzuprangern.
Das Vergangene hat Einzug in Ihre eigene Literatur gefunden. Ich durfte vorab lesen, nur dieses Kapitel. Warum? Ich habe es gelesen, trotz dessen. Und habe mich noch schlechter gefühlt. Mehr Vermeidungsstrategien. Gesagt habe ich ihr dazu einen Satz, immerhin. „Hätte ich vorher gewusst, was ich in Dir angerichtet habe, hätte ich anstatt einer Freundschaft, das Weite gesucht.“
Schweigen. Eine Zeit lang. Davor, wie danach, bei jeder Begegnung, jedem Gespräch, ständig das Gefühl beobachtet zu werden, hinter jedem Wort die Sehnsucht zu hören, die man immer noch nicht teilt. Weniger Gefühl von Freundschaft, mehr Angst vor nicht gewollter Zuneigung.
Heute telefoniert. Versucht ein guter Freund zu sein, zu bleiben. Ich bessere mich, bin weniger zurückhaltend, versuche Kraft zu geben. Über die Zeit, durch Nichterwiderung, Abgewöhnen des Abschiedes „hab dich lieb“. Gelesen, OK. Gesprochen...zuviel. Vermeidungsstrategien. Abstand, nicht ran gehen, lautlos, Telefon zuhause lassen, an Geburtstagen, meinen.
Schlechtes Gewissen, wiedermal. Kein guter Freund, wohl nicht mal das.
Umdenken, offensiver werden, Themen in andere Bahnen lenken, ermutigen zu neuen Wegen, Ideen pflanzen.
Das Gefühl beim Rangehen ist noch da, die Gespräche sind locker, wirklich ehrlich. Das Gefühl beim Abschied bleibt. >Sagt sie es wieder? Nein. Starkes Mädchen<
Das alles seit Jahren.
Ist es Hochmut so zu denken, nur aus einem Gefühl heraus? Strafe ich mich selbst lügen, der, der ich mich selbst als scharfen Beobachter preise und dieses nicht erkenne, oder glaube etwas zu erkennen, was vielleicht gar nicht existent ist? Woher nehme ich das Recht zu solcherlei Unterstellungen? Ich weiß es nicht. Nur ein Gefühl. Unangenehm, zu wissen, das man sich tief im inneren eigentlich geschmeichelt fühlt, nach Außen den Freund mimt und im Inneren lange zeit ein Eisklumpen war. Dieser taut langsam. Ich arbeite an mir, mit Glück wird es die Freundschaft die ich mir wünsche, wird es auch ihre. Bis dahin sollte ich sie werden lassen wie sie es will und den Blick nicht mehr so oft abwenden.
Danke fürs Zuhören. G.P.J.

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