Frontbriefe
Kontraste
george peter j. | 18. September 14
>Donnerstag 2030<

Der Tag begann träge. Träge im Kopf, träge im Körper. Blick aus dem Fenster. Die Sonne, tief orange schob sie sich hinter der Kirchturmspitze empor. Geist hellwach. Kamera, Teleobjektiv, Zoom. Und da waren sie. Die Details. Die begehbare Plattform mit ihren Säulen, die Konturen der Dachkonstruktion, die Verkehrsschilder der dahinter liegenden Brücke, Dunstschwaden, alles sichtbar und doch so weit weg. Musik, Kaffee, Sport. Noch eine Stunde Zeit. Sie blieb heut freiwillig. Hat mich vergessen lassen. Die Folge war ein erfrischender Sprint zum Bus.

Exkurs
Jetzt, nach 12 Stunden auf den Beinen erfreue ich mich am heutigen Tag. Man durfte Wissen anwenden, in Gesprächen. Fachgespräche. Erstaunlich, was nach einem Jahr Studium doch so alles hängen geblieben ist, obwohl zu ergänzen ist, dass das Meiste aus eigenem Interesse, jedoch mit fundiertem Wissen aus der bisherigen Woche, diskutiert wurde. Mir wurde die Sinnhaftigkeit meiner Wahl vor Augen geführt. Gute Motivation, auch wenn sich die Ankündigungen unserer Vorgänger, über die zu erwartende Kompliziertheit dieses Semesters jetzt schon bestätigt. Volle Tage, viele Aufgaben. Aber das hat man vorher gewusst.

Wo ich bin brauche ich nicht zu sagen.
Mir fällt aber eben auf, dass ich vielleicht ein bisschen zu sehr in eine Art fragmentierte Schreibweise gewechselt bin. Obwohl manchmal hilfreich beim Unterstreichen von Inhalten, so denke ich doch, dass das eher der Art und Weise meines Denkens geschuldet ist. Das Zusammenfassen und in Worte kleiden fällt mir im Moment ein bisschen Schwer. Echte Geschichten gibt es wohl, jedoch scheint mir ein Hauch von Zurückhaltung oder auch intensiveren Denkens angebracht. Der Beobachtungsmodus kam ein wenig kurz in den letzten Tagen.
Also gebe ich mir selbst die Zeit und beleuchte alles nochmal in allen mir zu Verfügung stehenden Farben. Vielleicht habe ich die ein oder andere Nuance, einen Kontrast, ein kompositorisches Element übersehen, um das Bild wieder zusammenzufügen.

In diesem Sinne, danke fürs Zuhören. G.P.J.

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